Start der arriba-Genossenschaft

Die arriba-Geschichte

Ende der 90er Jahre ist die Zeit reif:

  • die Wirkung von medikamentösen Maßnahmen der Herz-Kreislauf-Prävention ist in mehreren Langzeitstudien mit klinisch relevanten Outcomes dokumentiert (Blutdruck-Senkung, ASS, dann auch Statine)
  • es wird deutlich, dass die absolute Risikoreduktion um so höher ausfällt, je höher das Risiko des jeweiligen Patienten ist
  • erste multivariate Instrumente zur Risikoberechnung stehen zur Verfügung (Framingham-Studie)
  • deshalb fordern innovative Leitlinien (Neuseeland), die Prävention am individuell berechneten Gesamtrisiko zu orientieren
  • erste Hilfen zur Berechnung dazu werden veröffentlicht (Sheffield-Tabellen, Punktsysteme)
  • Erkenntnisse zu Risikokommunikation und Risikoperzeption stehen zur Verfügung
  • Immer mehr Patienten wollen in Entscheidungen einbezogen werden, in der Shared Decision-Making-Bewegung werden die ersten Entscheidungshilfen entwickelt

In arriba werden diese Elemente auf genommen und zu einer hausärztlichen Beratungsstrategie kombiniert. Hier die Stationen dieses Entwicklungs- und Verbreitungs-Prozesses:

Oktober 2000 Fortbildungsveranstaltung zur Herz-Kreislauf-Prävention auf der practica in Bad Orb (Leitung N. Donner-Banzhoff). Der Name arriba war damals noch nicht erfunden, aber die Smileys waren schon da.
Februar 2001 Projektantrag „Partnerschaftliche Definition der Risiken kardiovaskulärer Erkrankungen in der hausärztlichen Praxis (PARKH-Studie)” für die Ausschreibung des BMG „Patient als Partner” zusammen mit H.W. Hense (Uni Münster) und R. Kunz (Charité Berlin).
Oktober 2001 Erste Veranstaltung unter dem Namen „ARRIBA-Herz bei der practica in Bad Orb (Leitung N. Donner-Banzhoff), in den Vortragsfolien sind die Fälle „Frau Sorge” und „Herr Süß” nachweisbar. Teilnehmer werden um Feedback gebeten.
November 2001 Vorstellung bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (Pharmakotherapieberatung – Leitung J. Bausch). Beratungsschritte sind definiert, ebenso Tools zum Bevölkerungsvergleich. Erste Überlegungen zu einer Wirksamkeitsstudie, Kollegen werden zu Teilnahme an Studie eingeladen.
Januar 2002 Erste Version einer Broschüre und einer Anleitung für Veranstaltungen (Qualitätszirkel, Fortbildung). Visualisierungen durch Smileys, Hilfe für die Risikokalkulation bei Vorhofflimmern entwickelt.
Februar 2002 Multiplikatorenseminar in Marburg unter dem Titel „ARRIBA-Herz”. Von den Teilnehmern wird angeregt, nicht nur kardiale Ereignisse zu behandeln, sondern kardiovaskuläre Ereignisse insgesamt. Neben vielen kleineren Verbesserungen wird eine elektronische Version vorgeschlagen. Teilnehmer werden um Feedback bezüglich der Anwendung gebeten.
März 2002 1. Auflage der Broschüre für Allgemeinärzte; der Risikokalkulationsbogen orientiert sich an der Framingham-Publikation von Anderson et al. 1991.
Juni 2002 2. Multiplikatorenseminar in Marburg.
Juni 2002 1. Moderatoren-Manual mit Hintergrund-Informationen erscheint.
Ab Juni 2002 Telefonische Befragung der Anwender durch studentische Doktoranden (zunächst L. Lobsdorf, dann C. Eimer).
Juli 2003 Artikel über arriba im „Hausarzt”. Daraufhin fordern zahlreiche Leser die Materialien an; Versendung ist an die Bereitschaft zur Teilnahme an der Anwenderbefragung geknüpft. Damit steht jetzt eine Anwendergruppe zur Verfügung, die arriba lediglich auf Grund der Materialien – ohne Veranstaltung – kennen gelernt hat.
Februar 2004 2. Auflage der Broschüre und der Umsetzungshilfen (Autoren: N. Donner-Banzhoff und U. Popert).
November 2004 Beginn der großen arriba-Studie, Förderung durch das BMBF. Beteiligt sind H. Keller, T. Krones, E.-M. Sadowski und A. Sönnichsen; zahlreiche Kooperationspartner u.a. AQUA-Institut Göttingen (C. Kirst, P. Kaufmann-Kolle, H.J. Szecsenyi), K. Wegscheider (Universität Hamburg), Koordinierungszentrum für Klinische Studien der Uni Marburg (J. Rochon, C. Schade-Brittinger). 44 Allgemeinärzte werden in arriba geschult, 47 Kollegen sind in der Kontrollgruppe dieser cluster-randomisierten Studie. An 1100 Patienten werden Daten zur Zufriedenheit, Verschreibung und Gesundheitsstatus nach 6 Monaten erhoben.
Bei der Rekrutierung der teilnehmenden Qualitätszirkel zeigt sich, wie sehr arriba zum Selbstläufer geworden ist; mehrere Zirkel müssen ausgeschlossen werden, da bereits zu viele Teilnehmer arriba anwenden.
März 2005 3. Auflage der Broschüre und der Umsetzungshilfen.
Jetzt ist ein Vergleich mit der bundesdeutschen Bevölkerung möglich; die entsprechende Aufbereitung der Daten des Bundesgesundheits-Surveys besorgen A. Neuhaus und U. Ellert vom Robert-Koch-Institut in Berlin.
April 2005 Marburger Tagung „Involving The Patient - Shared Decision Making” unter internationaler Beteiligung.
April 2005 Enge Zusammenarbeit mit dem Forschungsschwerpunkt „Patient als Partner” (Förderung des BMG). Mitwirkung an der Entwicklung und Erprobung eines standardisierten Fragebogen-Instruments für die Praxis; hier soll der Patient angeben, wie weit er in eine Entscheidung (Diagnose, Therapie) einbezogen worden ist (Universität Freiburg: D. Simon, M. Härter, A. Loh).
August 2005 Maßnahme zur Nachwuchsförderung in der Allgemeinmedizin des BMBF für A. Altiner (Universität Düsseldorf), Programmierung eines Risikorechners vorgesehen, gemeinschaftliches Projekt mit arriba wird beschlossen.
September 2005 Ergebnisse der Pilotstudie werden beim Dt. Kongress für Allgemeinmedizin - DEGAM (H. Keller) und beim Dt. Kongress für Versorgungsforschung vorgestellt (T. Krones).
Oktober 2005 Veröffentlichung der Anwenderbefragung in der Zeitschrift für Allgemeinmedizin.
August 2006 Erste Ergebnisse werden beim Europäischen Kongress der Allgemeinärzte (WONCA) in Florenz präsentiert (T. Krones); die Patienten der arriba-geschulten Ärzte geben eine höhere Zufriedenheit und bessere Einbeziehung in die Entscheidung an.
Februar 2006 Veröffentlichung der Pilotstudie in der Zeitschrift für Medizinische Psychologie.
September 2006 Weitere Ergebnisse bei Dt. Kongress für Allgemeinmedizin (H. Keller).
Oktober 2006 Pilotversion von e-arriba fertiggestellt (A. Altiner, T. Scheithauer).
Juni 2007 Vorstellung von Studienergebnissen, Software und Papierversion bei der International Shared Decision-Making Conference in Freiburg (A. Altiner, H. Keller, T. Krones).
Juli – August 2007 Pilotierung der Software in 20 Hausarztpraxen in Baden-Württemberg.
September 2007 Ergebnisse zum Shared Decision-Making beim Dt. Kongress für Allgemeinmedizin (H. Keller) und zur Entwicklung der Software „e-arriba” (A. Altiner). Die vergleichende Evaluation von arriba und CARRISMA, einem kommerziellen Beratungstool, wird vorgestellt (S. Ludt, Uni Heidelberg).
April 2007 Erste Homepage mit verfügbaren Materialien zum Download (Web-Präsentation der Abteilung für Allgemeinmedizin, Uni Marburg).
Dezember 2007 Vereinbarung mit der AOK Baden Württemberg, Verbreitung von arriba im Rahmen der Hausarztzentrierten Versorgung.
Januar 2008 Eine vollständig neu gestaltete Homepage geht ans Netz (T. Scheithauer, U. Scholz), dort lässt sich neben den Papier-Materialien auch die Software herunterladen. arriba ist an den Universitäten Marburg und Düsseldorf mit öffentlicher Förderung entstanden, für jeden Hausarzt in Deutschland stehen Software und gedruckte Materialien frei zur Verfügung.
Die 4. Auflage der Broschüre erscheint. Wichtigste Neuerungen sind epidemiologische Anpassungen der Risikoformel und der Bezug auf die Software; diese wird zur „Normalanwendung”, die Papiermaterialien stehen auch weiterhin zur Verfügung.
Oktober 2008 Verleihung des Richard-Mertens-Preises.
April 2009 Verleihung des Berliner Gesundheitspreises.